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Applaus im Amphitheater

Autor: ashleyjune

Simple Dinge des Alltags fügen sich täglich zu einem faszinierenden, zwischenmenschlichen Komplex zusammen. So als ob wir alle in einer gigantischen Blase hausen, die von einer übermenschlichen, ja gar gottesähnlichen Hand koordiniert wird. Ist unser irdisches Leben real oder werden wir irgendwann einsehen, dass wir nur Schauspieler auf einer belanglosen Bühne sind? Ich spürte den Regentropfen auf meiner Wange herabfließen. Wie eine perfekte Kugel aus Wasser, die beim kleinsten Sonnenstrahl die Macht hatte, das Licht, eine so exzentrische Macht, zu brechen. Der örtliche Stadtbus verspätete sich wieder. Ich wollte auf meine Armbanduhr blicken als ich bemerkte wie knöchern und blass meine rechte Hand war. Ich aß nicht mehr. Essen war etwas Schönes, sagte ich mir, eine Belohnung, die ich nicht verdient hatte. Aber dies ist keine Geschichte über Magersucht - denn magersüchtig war ich nicht. In meinem Leben gab es wichtigere Dinge als die Frage ob ich nicht essen wolle oder warum ich denn schon wieder abgenommen hätte. Seit dem Tod meiner Schwester geriet mein Leben aus der Fuge. Ja als ob diese übermenschliche Hand auf einmal entschied mich als Schauspieler von der Bühne zu nehmen und als Zweitbesetzung für jemanden mit einem geregelteren, besseren Leben einzusetzen. An Gott glaubte ich nicht. Ich weiß nicht warum, aber irgendwas in mir sagte, dass es niemanden im Himmel gibt der über unser Leben wachte. Ich glaubte an das Etwas, an eine Kraft, ein Omen, ein Etwas eben, dass die Macht hatte uns zu Steuern - im guten und schlechten Sinn. Und dieses Etwas beschloss im Moment mich nicht so gut zu behandeln. Es war Jessicas dritter Todestag. Ein Mittwoch. Für viele ein gewöhnlicher Arbeitstag, wie für die Personen, die mit mir auf den Bus warteten. Der Mann, der neben mir stand, war so gepflegt vielleicht Mitte vierzig, mit Anzug und Mantel, Krawatte und Hemd, dass es ihn sicher nicht bekümmerte welcher Tag heute war. Er lebte wahrscheinlich im Alltagstrott und erlitt die Routine, die irgendwann zu drohen beginnen wird, ihn aufzufressen. Seit Jessicas Tod versuchte ich oft mich in gewisser Weise abzulenken. Zunächst war es durch die Malerei, dann durch Drogen aller Art, später durch Alkohol Exzesse, Jungs, Partys - alles, nur um den Gedanken auszuweichen, dass meine Zwillingsschwester nicht mehr da war. Das Loch zu stopfen, das entstanden war. Jetzt bemühte ich mich nicht mehr - ich war nun offiziell die Zweitbesetzung.


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