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Die Zweige des Birnbaumes

Autor: eliasbaar

Er wartete bereits draußen vor der Haustür. Sie, mit nur einem kleinem Koffer in der Hand, war noch nicht so weit. Sie schaute entlang der weiten, dunklen Straße und dann schaute sie noch einmal zurück, bevor sie losgingen. Es war ein kalter Novembermorgen und die Morgendämmerung begann langsam einzutreten, die Farbe des Himmels änderte sich jedoch kaum. „Siehst du die Zweige des Birnbaumes? Die Birnen sind bald so groß, dass die Äste sie nicht mehr halten können. Es ist bald so weit.“ Sie deutete auf den Baum im Vorgarten, der in der Dunkelheit nur durch eine Straßenlaterne erkennbar war, und schloss das Gartentürchen. „Dafür haben wir keine Zeit mehr. Los jetzt, wir müssen los“, sagte er und riss ihr den Koffer aus der Hand. „Der Zug wird pünktlich da sein. Wir müssen uns beeilen, es ist noch früh genug.“ Er marschierte voraus, in der Hoffnung, es sei noch nicht zu spät. Es wurde immer heller. Sie bemerkte die übrigen Bäume, die am staubigen Straßenrand überlebten, und die grauen Häuser und die dunklen Uniformen, die einige Männer trugen, während sie zum Bahnhof eilten. „Was, wenn es nicht klappt?“ „Was soll schon nicht klappen?“, schnaufte er als würde sein Atem wegbleiben. „Was ist, wenn es eben nicht klappt? Wenn irgendetwas schief läuft. Was, wenn ich erwischt werde? Was würdest du dann machen ohne mich?“ Sie blieb stehen. „Es wird schon nichts schiefgehen. Wir müssen es probieren. Du musst es probieren!“ Das Mädchen war noch nie ohne ihn verreist. Sie gingen weiter die Straßen entlang, vorbei an einigen Arbeitern, deren Schicht gerade begonnen hat und sie trugen alle braune Hemden. Bald hatten sie den Bahnhof erreicht. 218, 219a, die Hausnummern verrieten es. Sie erinnerte sich wieder. Die Domglocken waren aus der Ferne zu hören und die Sonne war schon aufgegangen, doch blieb durch die dunklen Wolken versteckt. „Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, vielleicht sollten wir umkehren und es einfach sein lassen und vielleicht wird es gar nicht so schlimm werden“, sagte sie und wollte umkehren. Ihr dunkler Mantel verdeckte ihren angeregten Körper, welcher für sich sprach. „Das willst du nicht, und das weißt du auch. Denk doch noch einmal an die Arbeit, die Pflicht, die Gegend. Das ist keine Gegend zum Heranwachsen, auch nicht zum Altern,“ sagte er und hielt sie davon ab, umzukehren. „Aber hier haben wir alles und hier sind wir sicher. Hier haben wir ein Haus, wir haben einen Garten und sogar einen kleinen Birnbaum mit viel zu großen Birnen.“ „Doch sag, was ist für dich ein Leben ohne Freiheit?“ Mittlerweile hatten sie den Bahnhof erreicht. Es war spät, aber noch rechtzeitig. Der graue Rauch, der aus dem haltenden Zug aufstieg, verschwand sogleich im Sturmgewölk. Einige Passagiere stiegen aus und sie ähnelten den Arbeitern, denen sie auf dem Weg zum Bahnhof begegnet waren. Der Zug hielt in München. „Du wirst nichts spüren, es geht ganz schnell. Sieh nur unseren Birnbaum. Jetzt trägt er noch die größten Früchte, aber bald wird es zu kalt sein und die Zweige werden sie nicht mehr halten können und sie werden brechen. Aber sie werden wieder kommen, anders als bei uns.“ „Wir schenken ihm nichts,“ sagte er, bevor er ihren einzigen Koffer in den Zug trug. „Wir schenken ihm nichts.“ Der Schaffner gab ein Zeichen. Es war so weit, die Türen würden bald schließen. Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss, es könnte für immer sein. Doch sie musste es versuchen. Er stand draußen. Sie, mit nur einem kleinen Koffer in der Hand, war noch nicht so weit. Sie musste ihn noch einmal in den Arm nehmen bevor der Zug abfuhr. Auch wenn sie es versuchen musste, fiel ihr die Trennung sehr schwer. Sie wollte so gerne bei ihm bleiben, aber der Versuch für einen Neuanfang war es dennoch wert. Dann ein letztes Signal und er musste nach draußen springen, um nicht als blinder Passagier mitzufahren. Mit einem rütteln fuhr der Zug an, während die Türen schlossen. Mit Tränen in den Augen stand sie am Fenster und blickte durch einen Schleier zu ihrem Freund. Er winkte ihr lange hinterher, bis er den Zug nicht mehr sehen konnte. Wie in Trance suchte sie ihren Platz, den kleinen Koffer in der Hand. Zum Glück hatte sie ihren Platz vorher reserviert. Leider war das Abteil bis auf einen einzigen Platz voll besetzt. Verdammt, fluchte sie lautlos. Zu gern wäre sie jetzt allein gewesen mit ihren Kummer, Sorgen und Gedanken. Aber war wohl nichts. Sie öffnete die Tür, begrüßte die Mitreisende und legte ihren kleinen Koffer auf die Ablage. Sie setzte sich auf freien Platz am Fenster, schaute hinaus und vertiefte sich in ihren Gedan-ken, die trübselig aussahen. Sie musste ihn noch einmal in den Arm nehmen bevor der Zug abfuhr. Auch wenn sie es versuchen musste, fiel ihr die Trennung sehr schwer. Sie wollte so gerne bei ihm bleiben, aber der Versuch für einen Neuanfang war es dennoch wert. Dann ein letztes Signal und er musste nach draußen springen, um nicht als blinder Passagier mitzufahren. Mit einem rütteln fuhr der Zug an, während die Türen schlossen. Mit Tränen in den Augen stand sie am Fenster und blickte durch einen Schleier zu ihrem Freund. Er winkte ihr lange hinterher, bis er den Zug nicht mehr sehen konnte. Wie in Trance suchte sie ihren Platz, den kleinen Koffer in der Hand. Zum Glück hatte sie ihren Platz vorher reserviert. Leider war das Abteil bis auf einen einzigen Platz voll besetzt. Verdammt, fluchte sie lautlos. Zu gern wäre sie jetzt allein gewesen mit ihren Kummer, Sorgen und Gedanken. Aber war wohl nichts. Sie öffnete die Tür, begrüßte die Mitreisende und legte ihren kleinen Koffer auf die Ablage. Sie setzte sich auf freien Platz am Fenster, schaute hinaus und vertiefte sich in ihren Gedanken, die trübselig aussahen.


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